Ein Napoleon-Kenner par excellence
Zum 200. Todestag des Feldherren präsentiert der Neuhauser Wolfgang Handrick sein neues Buch über dessen Krieg 1813
Am 5. Mai jährt sich der Todestag des französischen Kaisers Napoleon zum 200. Mal. Nicht nur das war Anlass für einen Besuch bei Dr. Wolfgang Handrick, einem absolut anerkannten Napoleon-Experten. Der Historiker, Germanist, Philosoph und Buchautor lebt seit 2002 in Neuhaus. Bei der Zusammenkunft machte er einen Versuch, seine .Leidenschaft für den Franzosen zu erklären und sprach über sein letztes Buch. Seine Leidenschaft für Napoleon , Bonaparte, so ist sich Handrick sicher, hat er mit seiner Geburt 1936 in Bautzen gewissermaßen aufgesogen. Denn unweit seiner Geburtsstadt tobte 1813 im Zuge der Befreiungskriege die Schlacht gegen das napoleonische Frankreich. Mit 163 000 Mann rückte Napoleon gegen das verbündete preußisch-russische Heer mit 97 000 Soldaten vor. Am Ende der zweitägigen Schlacht siegte Napoleon. Doch die intensive Beschäftigung mit dem französischen Kaiser begann eigentlich erst mit Beginn Handricks Studiums 1971. Sein Abitur konnte er erst ein Jahr zuvor ablegen. Denn nach dem Verlassen der Volksschule im Alter von 14 Jahren musste er zunächst im landwirtschaftlichen Familienbetrieb mitarbeiten. 1953 flüchtete er über die innerdeutsche Grenze nach West-Berlin und weiter nach Wuppertal.
Wunsch nach mehr
Seine Arbeit in verschiedenen Berufen befriedigte den Historiker nicht. Beflügelt durch das Zureden seiner Frau Anna absolvierte er das Abendgymnasium und machte das Abitur, studierte und promovierte in Erlangen. Sein Hauptinteresse seit dem Studium galt eigentlich der Kriegsgeschichte des 18. Jahrhunderts, die die Zeit bis 1815 mit einschließt. Da konnten bei seinen Forschungsarbeiten Begegnungen mit dem Mann nicht ausbleiben, der Europa von 1799 bis 1815 in eine Kette fast ununterbrochener Kriege verwickelte. So schloss sich der Kreis mit seiner Geburtsstadt in der Nähe eines der großen Schlachtfelder Napoleons. Und gerade die Schlachtfelder, auf denen der „Kaiser Europas“ agierte, haben Handrick persönlich besonders interessiert. Es gibt keinen Kriegsschauplatz im deutsch-österreichischen Raum, den er nicht besucht hat. Und über die Kriege Napoleons im 18. Jahrhundert näherte sich Handrick dem großen Feldherrn immer mehr an. Neben seinem Geschichtsinteresse hat Handrick auch eine romantische Ader. Das Schreiben von Unterhaltungsliteratur betrachtete er anfangs als Hobby. Es entstanden neun Romane und auch Erzählungen. So 1980 das Buch „Kriminalfall in 8005″, wobei 8005 die alte Nürnberger Postleitzahl ist. Es folgten militärhistorische Veröffentlichungen – zum Teil auch in Romanform. Unter anderen über die Schlachten Jena und Auerstedt, wobei Napoleon sein bevorzugtes Thema ist. Aber der Napoleon-Kenner warf auch einen Blick auf andere kriegsgeschichtliche Themen dieser Zeit. So befasste er sich mit der bayerischen Infanterie in der napoleonischen Epoche. Sein letztes Werk, „Napoleons Kampf um die Elb-Linie 1813″, ist Ende 2020 erschienen. Den wissenschaftlichen Kern dieser spannend informativen Arbeit gibt der Untertitel vor: ,,Die operative Entwicklung zur Schlacht bei Leipzig.“ Die „Völkerschlacht“ bei Leipzig kennen selbst diejenigen, die für Geschichte wenig Interesse aufbringen. Weniger bekannt ist, dass diese Schlacht den Schlusspunkt jenes Kampfes bedeutet, den Kaiser Napoleon I. mehr als neun Monate um den Erhalt seiner Verteidigungsstellung, der „Elb-Linie“, führte. Der Verlauf der Elbe bildete eine natürliche Barriere, die dem Imperator die Chance bot, seinen Gegnern Russland, Preußen und Österreich Widerstand entgegen zu setzen. Sie sollte den Krieg von den Grenzen Frankreichs fernhalten und auch den Rheinbund schützen. Beim Blick in das 410-seitige Werk in Romanform wird deutlich, wie der Autor in ‚einer anregenden Sprache ausführlich, ja nahezu akribisch, die insgesamt sieben großen Schlachten im Jahr 1813 des Imperators um den Erhalt der „Elb-Linie“ und ihren Zusammenbruch schildert. Alle Fakten und Erkenntnisse sind wissenschaftlich belegt. Bei seiner Arbeit lege er sehr großen Wert darauf, seinen Sprachstil nicht hölzern werden zu lassen. Denn nicht nur der Inhalt, sondern auch die Sprache sollen den Leser an das Buch binden. Auch bei diesem Buch ist es ihm gelungen, Geschichte mit dem Anspruch eines Wissenschaftlers und der Gabe des Romanciers zu verbinden. Handrick selbst sieht sich als ein Mix aus Forscher und Autor.
Fünf Jahre geforscht
Anstoß zu seinem letzten Werk gab der Wunsch eines Bekannten, zu den Kriegen von 1813 zu recherchieren. Diese Recherchetätigkeit legte die Basis für die Forschungen zu diesem letzten Buch. Fünf Jahre saß der Autor über dem Manuskript, sichtete und studierte unzählige Quellen sowie Fotokopien. Und jeden Tag – außer am Sonntag – kam etwas hinzu. Für eine strikte Einhaltung dieses freien Tages sorgte seine Frau. Nach Fertigstellung konnte Handricks letztes Werk „Napoleon~ Kampf um die Elbe-Linie 1813″ zunächst gar nicht erscheinen. Es gab Probleme mit dem bisherigen Verlag. Erst nach technischer Hilfestellung durch den Neuhauser Bürgermeister Josef Springer konnte das stattliche Buch im Zeughaus Verlag erscheinen. Mit diesem Buch habe er sein letztes Werk geschrieben, betont der inzwischen 85-jährige Napoleon-Kenner. Mehr könne er nicht schaffen. Geld sei nie die Antriebsfeder seiner Forschungsarbeiten gewesen, meint Handrick am Ende. Er habe vorwiegend aus eigenem Interesse gehandelt, stets verbunden mit der Hoffnung, auch bei anderen Menschen Interesse vor allem für den französischen Imperator zu wecken.
(Nordbayerische Nachrichten, Ausgabe vom 9.3.2021)